130 Gruppen begeistern beim Freimarktsumzug rund 200.000 Zuschauer

28.10.2018
„Queersalinga“ würdigt das Raumfahrtjahr. Mit drei Augen auf dem Kopf spielt die Gruppe Samba.
„Queersalinga“ würdigt das Raumfahrtjahr. Mit drei Augen auf dem Kopf spielt die Gruppe Samba.
 © Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Die Samba-Gruppe St. Olof macht Halt vor dem Dom und auf dem Marktplatz und zeigt eine Choreographie. Vorne schwenkt eine Prinzessin in blauem Kleid und mit goldener Krone die schwedische Flagge. Dahinter wird der Stil eher brasilianisch.

Frauen mit wenig Kleidung und auffälligen Karnevalsperücken mit bunten Federn. Die Gruppe sorgt am Sonnabend für einen temperamentvollen Auftakt des 51. Freimarktumzugs vor geschätzten 200 000 Zuschauern an der 2,2 Kilometer langen Strecke von der Neustadt zur Bürgerweide.

130 Gruppen sind auf der Straße und mit ihnen 3 700 Teilnehmer. Schrille Wagen, traditionelle Spielmannszüge. Der Umzug hat viele Gesichter. Am Rand der Route ist es voll. Nach südländischem Temperament folgen Herren hoch zu Pferd in traditionellen, ein wenig preußisch anmutenden Kostümen, einige mit Trompeten: der Reiterfanfarencorps Visbek. 

Er kündigt eine wichtige Person des Marktgeschehens an: In einer Kutsche sitzt die amtierende Miss Freimarkt. Immer wieder stoppt der Zug auch an der Kreuzung Sögestraße/Am Wall. Für die Gruppen eine gute Gelegenheit, sich um die Zuschauer zu kümmern. So auch der Trompeter-Showcorps Leinegarde, der zunächst eine Kreisformation läuft, um beim Spielen in Bewegung zu bleiben. Sie bekommen viel Applaus. Dann beginnen sie zu schunkeln und spielen „Auf der Reeperbahn“. Das trifft den Geschmack der Bremer Besucher. 

Hoch zu Pferde spielen sie eine Fanfare: Der Reiterfanfarenclub Visbek ist am Rathaus mit seinem traditionellen Auftreten ein Blickfang für die vielen Zuschauer.
 © Kowalewski

Die nochmal kräftig in die Hände klatschen. „Queersalinga“ trommelt Samba. Die Musiker tragen grüne Perücken. Mitten auf den Köpfen blicken drei Augen nach vorn. Kleine grüne Männchen! „Wir gehen als Marsmenschen, schließlich ist ja Raumfahrtjahr“, sagt Heiko (65) aus der Gruppe.

Edle venezianische Kostüme und Masken tragen die aus Dortmund angereisten Mitglieder von „Netter Carnevals Club“. „Wir kommen schon seit 20 Jahren nach Bremen“, sagt Astrid (56). Mit seidigen Gewändern, schönen Hüte und langen Federn sind sie eine Augenweide.

Der Wagen der „Lustigen Mühlendammrunde“ macht schon mal Vorfreude auf Halloween: Spinnweben und eine riesige Spinne, Skelette und dazu gut verkleidete Fahrgäste mit bleichgeschminkten Gesichtern oder gleich mit Totenkopfmaske. Mit vielen Spinnenweben behangen ist auch das „Geisterschiff“ der Lesumstoteler Nachbarschaft, gezogen von einem Trecker. Darauf wird wild gefeiert und Rauch steigt auf.

Fairness muss sein, auch gegenüber Türen. Darauf weist die Tischlerinnung hin. „Ich bin türlieb“, steht auf einem Plakat, das einer der Marschierenden hochhält. Ebenfalls gefordert: „Keine Massentürhaltung!“, sondern „Artgerechte Türhaltung!“.

Bilder vom Freimarktsumzug in Bremen 2018

Bilder vom Freimarktsumzug in Bremen 2018

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Auf dem Wagen von „Die Adelheider“ ist viel buntes Tuch angebracht. Das Thema: „Jahrmarkt“. Viel Glitzer ist auch an den Kostümen der Menschen darauf. Nebenher geht ein Mann, eine Attrappe einer Stange mit Gewichten in der Hand. Der schäkert kurz mit einem Polizisten, wackelt mit dem Gewicht auf den Beamten zu. Dieser grinst und greift kurz nach dem Gewicht.

Auch der Wagen „Rock’n’Roll-Train“ der Gruppe „Die Prängels“ hat Fußvolk dabei. Ein Mann mit schwarz-weiß geschminkten Haaren, der etwas an Alice Cooper erinnert, geht mit einer aufblasbaren Gitarre umher, kniet sich hin und mimt einen fanatisch spielenden Gitarristen. Frank (40) aus Bremen ist begeistert: „Das ist schön, auch für Kinder. Viele zeigen ein Thema, locker, ohne ernst zu werden.“