Der Rotor ist was für alle, die kein Mitleid kennen

18.10.2018
Auf dem Freefalltower Coolness beweisen oder doch lieber Flirten im Autoscooter? Ihr habt die Wahl.  
Auf dem Freefalltower Coolness beweisen oder doch lieber Flirten im Autoscooter? Ihr habt die Wahl.  
 © Harald Hinze

Bremen - Von Katia Backhaus. Klar kann man zum Freimarkt gehen, um peinliche Lebkuchenherzen zu kaufen und dann nach dem Verschenken ganz schnell sehr viel Bier zu trinken. Man kann aber auch zum Freimarkt gehen, um Fahrgeschäfte und damit den Charakter seiner Mitmenschen zu testen. Denn: Wo du einsteigst, zeigt, wer du bist. Eine (nicht ganz ernst gemeinte) Typologie der Freimarkt-Fahrgeschäfte.

Der Rotor ist etwas für den Typ Laborratte. Wer sich anlocken lässt vom Versprechen, Teil eines riesigen physikalischen Experiments zu werden, hat entweder in der Schule die Pausenklingel nicht gehört oder nimmt es mit dem eigenen Wohl nicht so genau. Denn ganz ehrlich: Die Idee klingt cool, aber von Zentrifugalkräften an die Wand einer riesigen Trommel gedrückt zu werden, bis einem unfassbar schlecht wird, ist gar nicht cool. Wer sich trotzdem darauf einlässt, sei gewarnt: Von der Laborratte ist kein Mitleid zu erwarten. 

Dies könnte auch zutreffen für Fans der Doppellooping-Achterbahn und des Infinity.


 © ride-index.de

Wer zielstrebig den Tower anpeilt, zeigt eindeutig Karriere-Ehrgeiz. „Endlich mal ein Hochhaus in Bremen!“, denkt sich der Tower-Besucher, und lässt den Blick ehrfürchtig an 35 Metern glatter Fassade entlanggleiten. Wer im Herzen die Sehnsucht nach kalten Glastürmen trägt, den wird es nicht lang im gemütlichen, niedrig gebauten Bremen halten. Und wer vom schicken Eckbüro im Büro-Tower träumt, den kann man auch mit Schlachte-Blick nicht locken. Also: Schnell noch mal zusammen in den Tower, bevor dein Kumpel die Stadt an der Weser verlässt! 

Dies könnte auch zutreffen für Fans des Alex Airport.


 © Sigi Schritt

Ab auf die Bayern Rutsch'n: Das ist eindeutig ein Fahrgeschäft für politische Zyniker. Denn was soll sonst besser die Berg- und Talfahrt der CSU symbolisieren als eine 57 Meter lange Rutschbahn, die in 18 Metern Höhe startet und dann über zahlreiche Hügel ins Tal führt? Für den Zyniker kann es keinen größeren Spaß geben, als hier mit Karacho nach unten zu rasen und dabei dem Menschen auf der Bahn nebenan noch ein paar Söder-Witze zuzurufen. Kleiner Tipp: Nochmal kurz die neuesten Koalitions-News aus Bayern checken, bevor es auf die Talfahrt geht. 

Dies könnte auch zutreffen für Fans der Alpina-Bahn.

Ein ganz klarer Fall – und mit diesem schlechten Wortwitz geht’s schon los – ist der Freefalltower Hangover. Wer sich danach sehnt, im freien Fall aus 80 Metern Geschwindigkeiten auf Sportwagenniveau zu erreichen, der meint auch, dass Coolness mit schlechten Witzen zu tun hat und wird deshalb garantiert jeden seiner verkaterten Freunde in den Hangover-Tower zwingen. Allerdings: Bestehst du die Prüfung, bist du der Held. 

Dies könnte auch zutreffen für Fans des Power Tower.


 © dpa

Wenn euch jemand zum Autoscooter schleift, seid beruhigt: Das ist jemand mit viel Gemütsruhe und einer Vorliebe für Beständigkeit. Solides Dahingleiten, keine Sperenzchen und die perfekte Gelegenheit, alle Freunde in einer einzigen Runde anzustupsen (ihr erinnert euch, es gab da mal ein soziales Netzwerk, in dem das ganz groß war...). Zwei Dinge sollte man allerdings wissen, wenn man auf Romantik aus ist: Beifahrer müssen mit blauen Flecken rechnen. Wer ein Herz gewinnen will, sollte also besser das Steuer abgeben. Außerdem ist es günstig zu wissen, wo die Nebelmaschine steht: Knutschen im Nebel ist vielleicht romantisch, Knutschen im künstlichen Nebel definitiv eklig. 

Dies könnte auch zutreffen für Fans des Riesenrads.


Octopussy ist was für alle, die gern im Mittelpunkt stehen. Die fünfarmige Krake blinkt und blitzt, leuchtet und schreit in allen Farben: Hier geht die Party! Das ist natürlich eine feine Sache, aber: Wer auf dem Glitzerarm sitzt, dem kann schnell auch mal ein Krönchen abfallen. Seid also nicht nur bereit, Applaus zu spenden, sondern sorgt auch für eine dreh- und sturmsichere Frisur. Denn diese Fahrt wird sicher in die Instagram-Annalen eingehen. 

Dies könnte auch zutreffen für Fans von Laser Pix.



Nicht zu vergessen: Die Rastlosen, die euch zielstrebig zum heißen neuen Scheiß, also in diesem Jahr zum Beispiel zu Dr. Archibald, schleppen. Eigentlich ist ihnen ganz egal, ob sie mit VR-Brillen durch ein stockfinsteres Haus ruckeln, rückwärts kopfüber ins Wasser geschubst oder kilometerweit in den Himmel geschraubt werden – Hauptsache, es ist neu. Mit solchen Leuten wird es nie langweilig, aber durchaus mal anstrengend: „Infinity? Ne, war ich schon. Popcorn? Ne, hatte ich schon mal. Samstag? Ne, war ich letztes Jahr. Montag?“ Also: Noch ungetragenes Outfit suchen und ab auf die Reise ins Unbekannte. 

Dies könnte auch zutreffen für Fans des Jules-Verne-Tower und von Jekyll & Hyde.

 

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