Gottesdienst auf dem Freimarkt: Rummel und Reformation

31.10.2018
Der leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche, Renke Brahms, predigt am Reformationstag im „Riverboat“ auf dem Bremer Freimarkt.
Der leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche, Renke Brahms, predigt am Reformationstag im „Riverboat“ auf dem Bremer Freimarkt.
 © Sell

Bremen - Erstmals hat die evangelische Kirche auf dem Freimarkt, größten Volksfest im Norden, einen Gottesdienst zum Reformationstag gefeiert. Es war der Auftakt für einen bunten Aktionstag.

Das Riesenrad dreht schon mal eine Proberunde. Auch die Wagen der Achterbahn rattern bei strahlendem Sonnenschein noch ohne Passagiere über das eiserne Gleis. Dazwischen füllt biblischer Lobgesang aus hunderten von Kehlen das gut besuchte „Riverboat“-Festzelt auf dem Freimarkt. „Hört den Freudenruf, das Erlösungslied“, schallt es nach draußen in die Budengasse. „Rummel und Reformation – das passt gut zusammen“, predigt der leitende Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), Renke Brahms.

Gedanken zur freien Zeit spielen eine prägende Rolle im Gottesdienst und in der Predigt. Ausgelassen zu feiern, an den Losbuden zu spielen, sich durchrütteln zu lassen in den Karussells – das sei auch Ausdruck einer Freiheit, die eine zentrale Botschaft der Reformation sei, betont Brahms.

Der Gottesdienst ist in dieser Form bundesweit eine Premiere und in Bremen gleichzeitig festlicher Auftakt eines Reformationstages, der erstmals in allen norddeutschen Bundesländern als gesetzlich geschützter Feiertag im Kalender steht. „Wer weiß, ob nicht an diesem neuen Feiertag sogar mehr Besucher auf den Freimarkt kommen“, ruft Brahms in das Zelt.

„Wie ein Familiensonntag“

Darauf hofft Schaustellervertreter Rudi Robrahn. „Der 31. Oktober ist für uns jetzt wie ein Familiensonntag“, freut er sich auf gute Geschäfte bis spät in den Abend. Das passt zu dem, was Dom- und Schaustellerpastorin Ingrid Witte vor der Predigt von Brahms sagt: „Der Tag ist auch für die Schausteller ein Geschenk.“

Während der Gottesdienst auf dem Rummel mit Liedern und Klatschrhythmen des Publikums weitergeht, starten in der Stadt an vielen Stellen besondere Aktionen zum Reformationstag. Dazu gehören nach Gottesdiensten Konzerte, Gespräche auf einer Kirchenbank mitten auf dem Marktplatz, Ausstellungen und eine stilechte rheinhessische Straußenwirtschaft, die im evangelischen Informationszentrum „Kapitel 8“ (Domsheide) eingerichtet wurde.

Inhaltlich setzt die bremische Kirche mit ihrem Motto „Freizeit“ auf den Sonn- und Feiertagsschutz und auf die Begegnung mit anderen Religionen. „Ich freue mich, dass die Bremische Evangelische Kirche den Reformationstag als eine Einladung zum Dialog an alle Menschen versteht“, sagt Bürgermeister Carsten Sieling (SPD).

epd