„Ischa Freimaak“: Bremens fünfte Jahreszeit hat begonnen

19.10.2018
Bürgermeister Carsten Sieling sticht das Fass an - und macht dabei eine durchaus gute Figur.
Bürgermeister Carsten Sieling sticht das Fass an - und macht dabei eine durchaus gute Figur.
 © Heinfried Husmann

Bremen - Von Katia Backhaus. Wer nach diesem nicht enden wollenden Sommer daran zweifelt, dass die vier Jahreszeiten in Zukunft erhalten bleiben, der sei beruhigt: Die fünfte Bremer Jahreszeit fällt nicht aus.

Schon zum 983. Mal feiert die Hansestadt in diesem Jahr die „Jahrmarkt-Gerechtigkeit“ – die inzwischen vor allem eins bedeutet: Feiern. Mit gezielten Schlägen aufs Fass hat Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) den Bremer Freimarkt eröffnet.

Erste Station um 16 Uhr ist der Kleine Freimarkt rund um den Roland auf dem Marktplatz. Vor altehrwürdiger Kulisse – schließlich ist der Freimarkt bereits seit 1035 eine feste Bremer Institution – hängen sieben Schornsteinfeger und ein Azubi unter Hilfe der Feuerwehr Neustadt der Statue ein Lebkuchenherz um. Unter Applaus und dreifachem „Ischa Freimaak!“ wohlgemerkt. Luftballons fliegen über den Marktplatz, die Sonne scheint und die Stadtmusikanten (in Kostüm) sind auch dabei. Glückspfennige werden verteilt, Fotos mit Besuchern und Schornsteinfegern werden geschossen.

Auf dem Herz steht – was sonst? – „Ischa Freimaak“. Der Roland ist damit für die kommenden zweieinhalb Wochen nicht nur Symbol einer freien, sondern auch einer feiernden Stadt. Und ein bisschen Glück können Stadt und Besuchern bei dem Rummel zwischen Bier und Baustellen gerade sicher brauchen.

Sieben Schornsteinfeger und ein Azubi sind nötig, um den Roland in Schale zu werfen.
 © Backhaus

Mit Korken auf die kindergroße Burg Wolfenstein schießen, Karussell fahren vor dem Rathaus oder auch schon mal einen Glühwein testen: Auf dem Kleinen Freimarkt geht es schon vor dem Fass-Anstich auf der Bürgerweide munter zu. Die mittelalterlich dekorierten Stände bieten von Gewürzen des Orients über einen hochprozentigen Freundschaftstrunk vor allem Warmes für den Magen - passt perfekt zu 13 Grad und Herbstsonne.

Rüber zur Bayernfesthalle auf der Bürgerweide, die in diesem Jahr auf dem ehemaligen Platz der Almhütte (links neben der Wilden Maus) steht und kleiner ist als zuvor. Trotz einiger Streitereien im Vorfeld, bei denen die Almhütte den Premium-Standort auf dem Freimarkt-Gelände zugewiesen bekommen hat, ist das Bayernzelt der Eröffnungsort des Markts geblieben.

Im Zelt ist kleinkariert schick: rot-weiß, blau-weiß, und für die Mutigen blau-rot. Dominoreihen aus Kleiner-Feigling-Flaschen werden gebaut und gestürzt. Und wem das alles suspekt erscheint, der kommt gar nicht erst her.

Annika Fuhrmann ist neue Miss Freimarkt

Weiter geht’s mit dem nächsten Traditions-Highlight: der Wahl zur 15. Miss Freimarkt. Drei Kandidatinnen haben es in die Schlussrunde geschafft, aber nur eine bekommt die Krone. Am Ende wird Annika Fuhrmann zur Miss Freimarkt 2018 gekürt. Die Tourismus-Kauffrau in Ausbildung löst damit Xenia Rogahn ab, die im vergangenen Jahr Miss Freimarkt wurde.

Miss Freimarkt Annika Fuhrmann (mit Krönchen) im Kreis ihrer Vorgängerinnen aus den Jahren 2011, 2012, 2016, 2017 und 2015 (v.l.).
 © Heinfried Husmann

Vorab hatten sich die 16 Kandidatinnen mit Bild und Text online präsentiert, bis zum 9. Oktober stimmte das Publikum ab. Ins Finale kamen die drei Bewerberinnen mit den meisten Klicks. Die Wahl zur Miss Freimarkt „wird mir immer in Erinnerung bleiben“, sagt Fuhrmann, die von klein auf auf dem Freimarkt zu Hause ist. „Es ist mir eine große Ehre!“

Wenig später stehen im „Bayernzelt XXS“ neben der 21 Jahre alten Fuhrmann unter anderem auch Bürgermeister Sieling und Moderator Dirk Böhling auf der Bühne, später wird zum Fass-Anstich gehämmert. Nach drei Schlägen sitzt der Zapfhahn, das Bier sprudelt. Und seitdem heißt es in Bremen wieder: „Ischa Freimaak!“

Brennender Müllcontainer am Morgen

Einen ersten kleinen Zwischenfall verzeichnete die Bremer Polizei noch vor Markt-Beginn. Am Freitagmorgen gegen 5.30 Uhr brannte ein Müllcontainer auf der Bürgerweide. Das Sicherheitspersonal hatte kurz zuvor drei Jugendliche in der Nähe des Festzelts gesehen, teilte die Polizei mit. Ein größerer Schaden entstand nicht, die Polizei löschte das Feuer schnell.

Der Freimarkt wird auch 2018 im Bayernzelt eröffnet.
 © Backhaus

Übrigens: Der Wetterbericht für das Wochenende sagt zwar kühles, aber sonniges und trockenes Wetter voraus. Ab Anfang der Woche soll es etwas windiger werden, ein Sturm wie „Herwart“ im vergangenen Jahr ist allerdings nicht in Sicht. Am letzten Freimarkts-Samstag 2017 musste das Gelände deshalb vorzeitig geschlossen werden. Dass die fünfte Jahreszeit nicht noch einmal vom Herbst gestört wird, ist vielleicht der größte Wunsch, den Freimarkt-Veranstalter und Rummel-Besucher teilen.

Alle wichtigen Infos

Wann und wo?

Ab Freitag, 19. Oktober, bis einschließlich Sonntag, 4. November, läuft der 983. Bremer Freimarkt. Er ist täglich von 13 bis 23 Uhr geöffnet, freitags und sonnabends sowie am 30. Oktober bis Mitternacht. Auf dem Hauptgelände, der Bürgerweide hinter dem Hauptbahnhof, und in der Innenstadt rund um den Roland („Kleiner Freimarkt“) bieten 320 Stände und Fahrgeschäfte den Besuchern alles, was das Kirmes-Herz begehrt. Die Veranstalter erwarten an den 17 Markttagen rund vier Millionen Besucher.

Wie komme ich hin?

Die BSAG hat den Fahrplan an den Freimarkt-Wochenenden ausgeweitet und mehr Fahrten eingeplant. Außerdem gibt es ein Park & Ride-Ticket, alle Infos hier.

Termine und Reservierungen

Wann ist der Freimarkts-Umzug, und welche anderen Sonderveranstaltungen gibt es? Hier sind die Infos.

Sonstiges

Was kostet das Bier, und wie viele Wagen sind beim Umzug dabei? Zahlen, Daten und Fakten zum Freimarkt 2018.

Hunde bitte zuhause lassen! Regeln für den Freimarkt-Besuch.