Manfred Howey ist seit 40 Jahren mit dem „Happy Sailor“ auf dem Freimarkt

02.11.2018
Mit 75 Jahren immer noch Schausteller aus Berufung: Manfred Howey sitzt in einer Gondel des „Happy Sailor“.
Mit 75 Jahren immer noch Schausteller aus Berufung: Manfred Howey sitzt in einer Gondel des „Happy Sailor“.
 © Martin Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Kurz nach Mittag: Die erste Fahrt des Tages. „Ahoi, Herr Kapitän. Jetzt wollen wir segeln gehen“, sagt Manfred Howey (75) ins Mikro. 20 Gondeln in Form von Segelschiffen gehen auf Fahrt. Zum 40. Mal steht Howey mit dem „Happy Sailor“ auf dem Freimarkt. Sein Traditionsgeschäft hat alle Moden in der Welt der Karussells überdauert.

Howey sitzt an der Hauptkasse hinter einem Steuerpult. Unter ihm ein Holzboden. „Die Bretter, die die Welt bedeuten“, sagt er. Ein Tastendruck und die Gondeln drehen sich. „Es geht darum, dass man den Fahrgästen in der Nachbargondel in die Augen blicken kann.“

Umgucken lohnt sich am und im „Happy Sailor“. Palmen und Olivenbäume stehen an dem Karussell. „Die Besucher fassen die manchmal an und merken, die sind echt“, sagt Howey. Die LED-Scheinwerfer arbeiten mit wechselnden Farben und malen langsam ihre Muster. 

500 Liter Wasser befinden sich im Brunnen in der Mitte und werden immer wieder durch den Springbrunnen in die Luft gespritzt. Zwei Delphine fahren im Kreis, aufrecht in Sprungposition. Ein Pirat sitzt auf einer Schatzkiste und hebt Ketten heraus. Die Boote sind blitzblank.

„Technisch und optisch ist das Karussell auf dem neuesten Stand“, sagt Howey. Die Technik wird jeden Winter renoviert und auch für die vielen Lackteile geht es in den „Schönheitssalon“. Jeden Morgen wird ein langes Prüfprotokoll abgearbeitet. „Am wichtigsten ist die Sicherheit der Fahrgäste“, so Howey.

Am 9. Juni 1979 holte er das Karussell mit sieben Leuten aus der Fertigung in einer Firma bei Freiburg. 1,25 Millionen Mark musste er bei der Bremer Landesbank aufnehmen. Die Premiere fand auf der Domweih in Verden statt. Schon damals wurde in dem Karussell modernste Technik verbaut: darunter eine stromsparende, elektronische Motorsteuerung und pneumatische Fahrgastsicherungen, die später durch elektrische ersetzt wurden. Verkauft wurde das Karussell als „Seesturmbahn“. Das war Howey zu langweilig, darum nannte er es „Happy Sailor“.

Howey sagt, er freue sich jeden Tag, wenn Fahrgäste in zweiter und dritter Generationen kämen. „99,99 Prozent der Fahrgäste sind nett, einfach freundliches Familienpublikum. 0,01 Prozent sind Dauernörgler und Volksfestmiesmacher“, sagt Howey. Letztere hätten ihm manches Mal den Blutdruck hochgetrieben.

Dennoch sagt er: „Das Schaustellerleben ist nicht Beruf, es ist Berufung.“ Dabei würden meistens Familientraditionen fortgesetzt. Howeys Großeltern, Heinrich und Susanne Manke, stiegen 1920 mit einem Eis-Karren ins Geschäft ein. Seine Mutter Anna Gack kam 1950 mit dem ersten neuen Fahrgeschäft nach dem Krieg auf die Osterwiese. „Das hat damals 3 500 Mark gekostet. Sie musste 20 Pfennig für eine Fahrt nehmen, üblich waren zehn Pfennig“, sagt Howey.

Er will weitermachen, solange er kann. Er, selber kinderlos, hat auch bereits sein Testament geschrieben. „Es soll eine Manfred-Howey-Stiftung“ geben, die zu Weihnachten Waisen- und Seniorenhäuser bedenkt. Schausteller sind Weihnachtsfans: „Es ist das einzige Fest, wo wir alle zu Hause sind.“