50. Freimarktsumzug: Im Niesel- und Bonbonregen

23.10.2017
Wildwest an der Weser – mit ihrem Casinowagen setzten sich „Die Adelheider“ wieder durch.
Wildwest an der Weser – mit ihrem Casinowagen setzten sich „Die Adelheider“ wieder durch.
 © Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Megaparty zum runden Geburtstag – 150 000 Zuschauer verfolgten nach Polizeiangaben am Sonnabend den 50. Bremer Freimarktsumzug. Trotz Regens und spätherbstlicher Temperaturen brachten die insgesamt etwa 3 800 Teilnehmer das Publikum mächtig in Fahrt. Als Sieger setzten sich – mal wieder – „Die Adelheider“ durch. Auch eine Fahrradgruppe sorgte für Furore.

Den Blick leicht nach oben richten, volle Konzentration auf das Ziel. Anvisieren, Hände ausstrecken, zuschnappen. Im schlimmsten Fall bücken, beherzt zugreifen, mit dem Gefühl des Sieges einpacken – und freuen. Als hätten sie im Vorfeld wochenlang geübt, vollziehen zahlreiche Kinder an der 2,9 Kilometer langen Strecke praktisch die gleichen Handlungen.

Die Objekte der Begierde: Bonbons, Popcorn, Lutscher und viele andere süße Sachen, die kiloweise von den Festwagen und Fußgruppen ihren Weg in die johlende Menge finden. Ein Vollzeitjob, nicht nur für die jungen Jäger und Sammler, auch Eltern und Ordnungshüter haben alle Hände voll zu tun.

Spektakel auf Schritt und Tritt: 150.000 Zuschauer zog der Freimarktsumzug in seinen Bann – wie hier auf dem Bremer Marktplatz. 3 800 Teilnehmer sorgten für mächtig viel Stimmung.
 © dpa

Am Vormittag – ab und zu lässt sich da noch die Sonne blicken – starten 143 Festwagen und Fußgruppen mit den 3800 Teilnehmern (davon traditionell viele aus dem Umland) aus der Neustadt die Route in Richtung Hauptbahnhof.

Brill-Kreuzung, Obernstraße, Marktplatz mit Roland und Rathaus, Domshof – das ist die Strecke. Eine Strecke, die bei fortschreitender Länge immer nasser, schmieriger und irgendwie auch ungemütlicher wird. „Das bisschen Nieselregen, pah!“, ruft der Moderator in die Menge. „In Bremen nennt man das leichte Erhöhung der Luftfeuchtigkeit“, fügt er hinzu, kann aber einen Teil der Massen nicht dazu bewegen, die Regenschirme für das zu benutzen, wofür sie ursprünglich mal konzipiert wurden.

Schirm-Stimmung auf dem Domshof. 
 © Koller

Der Stimmung tut das keinen Abbruch. Zu ausgefallen, zu schrill, lautstark und gut gelaunt zieht die Karawane durch die Stadt. Während Songs von „Ace of Base“, Andreas Gabalier, „Seeed“ und Bryan Adams (mal live, mal aus der Konserve) aus den Boxen dröhnen und zwischen Hauswänden hin und her springen, muss die Jury möglichst objektiv bleiben. Nach mehr als drei Stunden stehen die Sieger fest. Wie im vergangenen Jahr holen sich „Die Adelheider“ den ersten Platz in der Kategorie „Festwagen“ – dieses Mal mit ihrem Wildwest-Casino.

In der Kategorie „Fußgruppen“ hievt sich das Team „Bremen Unicycler und Freizeitgruppe Bartsch“ mit seiner Fahrrad-Performance auf den obersten Platz des Podiums. Für alle anderen – die Jongleure, Samba-Combos, Fanfarenzüge und phantasievoll geschmückten 40-Tonner – ist das aber noch lange kein Grund, um zu verzagen. Letztlich macht das Gesamtpaket den Umzug aus.

50. Freimarktsumzug in Bremen

50. Freimarktsumzug in Bremen

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Was nach dem Vorbeiziehen großzügiger „Süßigkeitenspender“ alles in Beuteln landet, kann bei vielen getrost als Paket mit guter Ausbeute bezeichnet werden. Schwerer als mancher Schulranzen und mit kunterbuntem Inhalt schleppen die Kleinen ihre Tüten nach Hause. Vorbei an Feiernden, deren ganz persönlicher Umzug erst spät in der Nacht enden wird. Wo? Natürlich auf der Bürgerweide. Beim Bremer Freimarkt.